Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie sich einen Fast-Food-Burger reinziehen und sich danach übersättigt und fettig fühlen? Auch bei Feedback bleibt nicht immer ein gutes Gefühl übrig. Denn schlecht gegebene Kritik kann verwirren und nicht den gewünschten Effekt hinterlassen. Laut einer Studie von Gallup empfinden nur 26 % der Mitarbeitenden das Feedback, das sie erhalten, als tatsächlich hilfreich für ihre Arbeit. Damit Ihr Feedback in Zukunft ankommt, zeigen wir Ihnen konkrete Methoden, mit denen Sie Rückmeldungen geben, dass Ihrem Gegenüber wirklich weiterhilft!
Warum ist Feedback geben wichtig und was kann dabei schief gehen?
Feedback geben, scheint einfach: ein paar lobende Worte hier, ein bisschen konstruktive Kritik dort, und schon haben wir einen köstlichen Feedback-Burger zubereitet. Doch leider bleibt der Geschmack oft bitter. Die Sandwich-Methode oder Sandwich-Kritik, eine beliebte Feedback-Form, versucht, die negative Botschaft mit Lob zu umhüllen, um sie für den Empfänger verträglicher zu machen. Doch diese Methode hat ihre Tücken!
Erinnert man sich an Schulzeiten, kommt einem ganz bestimmten Feedback wie solches nach einer hart erarbeiteten Präsentation in den Sinn: „Du hast flüssig gesprochen und deine Power Point sieht schön aus. Aber …“. Rückmeldungen mit einem Kompliment am Anfang zu strukturieren, wird nicht immer den gewünschten Effekt erzielen. Denn kluge Empfänger durchschauen die Absicht hinter dem Lob und nehmen es kaum noch ernst. Die Anerkennung wirkt entwertet und dient nur als Verpackung für die Kritik. Personen, die die Methode nicht kennen, übersehen oft die eigentliche Kritik zwischen den lobenden Worten, was zu Missverständnissen führt.
Feedback geben mit Methode
Feedback geben will gelernt sein. Wer gute Rückmeldungen gibt, kann auch erwarten, dass der Gegenüber sich diese zu Herzen nimmt und umsetzt. Wie in vielen Bereichen des Lebens gibt es auch hier einfache Methoden, die helfen, den Feedback-Burger zu umgehen und Kritik wie ein Profi zu äußern.
Feedback-Methode nach LeeAnn Renninger:
LeeAnn Renninger, eine renommierte Psychologin und Kommunikationsforscherin, hat eine wissenschaftlich fundierte Feedback-Methode entwickelt, um das konstruktive Potenzial von Rückmeldungen zu entfalten, ohne den Empfänger in eine defensive Haltung zu drängen. Die vier Schritte eignen sich besonders für schwierige Botschaften und fördern das Wachstum des Feedback-Empfängers.
Stellen Sie sich vor, Sie sind Führungskraft in einer Bank und möchten einem Teammitglied, das kürzlich eine Präsentation vor dem Vorstand hielt, konstruktives Feedback geben. Die Präsentation war gut strukturiert, aber das Teammitglied wirkte nervös und hatte Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit des Vorstands zu halten. Anstatt die altbekannte Sandwich-Methode zu verwenden, können Sie mit folgenden Schritten vorgehen:
- Die kleine Zustimmung („Yes-And“): Beginnen Sie das Feedback geben mit einer kleinen Zustimmung, dem sogenannten „Yes-And“, um das Gehirn des Empfängers auf die Kritik vorzubereiten und ihm ein Gefühl der Autonomie zu vermitteln. Zum Beispiel könnten Sie sagen: „Hast du einen Moment Zeit, um über deine Präsentation vor dem Vorstand zu sprechen? Ich habe einige Ideen, wie du die Aufmerksamkeit des Vorstands in Zukunft noch besser halten kannst. Darf ich diese mit dir teilen?“
- Datenpunkt geben: Seien Sie präzise in dem, was Sie beobachtet haben, und vermeiden Sie vage Ausdrücke. Geben Sie konkrete Datenpunkte, um Missverständnisse zu verhindern. Zum Beispiel: „Deine Präsentation war sehr gut strukturiert und du hast sehr gute Vorschläge gemacht, wie wir das Thema angehen können. Das war echt stark. Bei der Formulierung der Vorschläge hast du verschiedene Relativierer verwendet, z. B.: „Wir könnten vielleicht xyz machen, um abc zu erreichen.“
- Auswirkungen erläutern: Erläutern Sie die Auswirkungen des beobachteten Verhaltens, um dem Feedback Bedeutung und Kontext zu verleihen. Zum Beispiel: „Relativierer wie ‚ein bisschen‘, ‚wahrscheinlich‘, ‚müsste‘, ‚sollte‘ und ‚könnte‘ nehmen die Klarheit aus deinen Aussagen. Auf mich hast du dadurch unsicher und nervös gewirkt. Wenn du darauf achtest, weniger Relativierer zu verwenden und klare Empfehlungen zu geben, hast du die Aufmerksamkeit des Publikums sicher. Einerseits über den starken Inhalt und andererseits durch dein souveränes Auftreten."
- Fragen stellen: Schließen Sie das Feedback geben mit Fragen ab, um Engagement zu fördern und eine gemeinsame Lösung des Problems zu ermöglichen. Zum Beispiel: „Das sind meine Gedanken dazu, aber wie siehst du das? Was hast du dir für das nächste Mal vorgenommen?“
Die WWW.de-Methode:
Neben der Methode von Renninger gibt es noch eine weitere, die sich etwas kürzer hält. Die Rede ist von der WWW.de-Methode. Diese soll helfen, anhand der drei W besser Feedback zu geben, sodass das Gegenüber keinen faden Beigeschmack bekommt und Kritik besser verdauen kann. Es geht also vollkommen um wachstumsorientiertes Feedback. Aber wofür stehen die einzelnen Buchstaben denn eigentlich?
- Wahrnehmung: Statt einfach drauflos zu kritisieren, wird zunächst aufgezeigt, was beobachtet worden ist. So wird Feedback mit Fakten verknüpft. Also: Was waren die Umstände und wie ist etwas tatsächlich passiert? Ein Beispiel: Ihr Gegenüber kommt zu einem Meeting eine halbe Stunde zu spät. Statt zu sagen: "Du bist zu spät gekommen", können Sie besser Folgendesäußern:"Wir haben uns um 11 verabredet. Um 11.30 Uhr sind Sie zu dem Meeting erschienen."
- Wirkung: Jede Situation, die wir erleben, hat eine Wirkung auf uns und beeinflusst auch Gespräche oder die Art, wie wir uns ausdrücken. Ganz egal, was Sie empfingen – äußern Sie dieses, wenn Sie Feedback geben. Denken Sie allerdings daran, sachlich und nicht überaus emotional zu werden. Den Wirkungsteil des Feedbacks sollten Sie immer als Ich-Botschaft äußern. Denn wenn Sie das tun, kann ihr Gegenüber nicht widersprechen, da es sich um ihre eigene Wirkung handelt. Folgendes können Sie äußern: „Ich habe das Gefühl, Sie schätzen meine Zeit nicht wert und Ihnen ist das Meeting unwichtig.“
- Wunsch: Nachdem Sie sich damit beschäftigt haben, was passiert ist und wie es wirkt, können Sie jetzt den finalen Schritt machen: Einen Wunsch äußern. Was soll sich ändern und im besten Fall das nächste Mal nicht passieren? Hier sollten Sie Wert darauf legen, konkret zu werden und nicht im Konjunktiv sprechen. Äußern Sie präzise, was sie stört. Folgendes können Sie äußern: "Ich wünsche mir, dass Sie beim nächsten Mal zum vereinbarten Zeitpunkt erscheinen, damit wir pünktlich starten können."
- Dankbarkeit und Ende: Am Ende ihres Feedbacks sollten Sie sich bedanken! Das hinterlässt beim Gegenüber ein besseres Gefühl. Außerdem ist dann gewiss, dass die Rückmeldung beendet ist und nicht noch mehr kommt, was geändert werden soll. Folgendes können Sie äußern: „Danke, dass sie mir zugehört haben und mein Feedback ernst nehmen. Lassen Sie uns mit dem Meeting starten.“
Welche Feedback-Regeln sollten unbedingt beachtet werden?
Für konstruktives und hilfreiches Feedback helfen außerdem folgende Punkte:
- Verwenden Sie Ich-Botschaften: Statt das Feedback in Form von "Du-Sätzen" zu formulieren, die wie eine Bewertung wirken können, schildern Sie Ihre Wahrnehmung und Gefühle. Durch Ich-Botschaften zeigen Sie Wertschätzung und betonen, dass es sich um Ihre persönliche Sicht handelt.
- Belegen Sie Ihr Feedback mit konkreten Beispielen: Veranschaulichen Sie Ihr Feedback durch konkrete Beispiele oder Situationen aus dem Alltag, um dem Empfänger eine bessere Einordnung zu ermöglichen.
- Trennen Sie Beobachtung und Bewertung: Vermeiden Sie es, Beobachtungen mit Bewertungen zu vermischen. Formulieren Sie zunächst neutral Ihre Beobachtungen und geben Sie dann an, wie diese Ihr Empfinden beeinflussen.
- Nehmen Sie sich ausreichend Zeit: Feedback geben sollte nicht überstürzt oder zwischen Tür und Angel passieren. Vereinbaren Sie einen geeigneten Termin und nehmen Sie sich genügend Zeit für das Gespräch.
- Dokumentieren Sie die Ergebnisse: Halten Sie die Ergebnisse des Feedback-Gesprächs und gemeinsam vereinbarte Ziele schriftlich fest, um eine klare Nachverfolgung zu ermöglichen.
- Äußern Sie Wünsche oder Ziele: Ergänzen Sie Ihr Feedback um konkrete Wünsche oder Ziele, die Sie für eine Verhaltensänderung oder Verbesserung erhoffen.
- Geben Sie Ihr Feedback zeitnah: Insbesondere bei Impulsfeedback ist es wichtig, das Feedback möglichst zeitnah zu geben. So bleibt die Situation frisch im Gedächtnis und ermöglicht eine direkte Auseinandersetzung mit dem Thema.
Übung macht den Meister: In EasyAnswer Feedback und WWW.de-Methode anwenden
In der Theorie klingt alles immer so einfach. Doch um effektiv und wertschätzend Feedback geben zu können, ist regelmäßiges Üben und die Entwicklung von Kommunikationsfähigkeiten entscheidend.
In EasyAnswer können Sie mit Hilfe von immersiver Umgebung die WWW.de-Methode praxisnah anwenden und verinnerlichen. Die Simulation beschreibt Ihnen verschiedene Szenarien, in denen Feedback gegeben werden soll und fordert Sie dann dazu auf, die WWW.de-Methode zu nutzen. Während Sie dies tun, analysiert die KI, ob ihre Kritik zu den Punkten der WWW.de-Methode passt und wo sie ihre Fähigkeiten noch weiter stärken können. Nach einem Durchlauf bekommen Sie zu den drei verschiedenen Übungen ebenfalls Feedback und können dieses dann beim nächsten Durchlauf anwenden.
Durch gezieltes Üben in virtuellen Umgebungen können Sie Ihre Feedback-Kompetenz kontinuierlich verbessern und zu einer effektiven Kommunikation beitragen.
Fazit: Konstruktives Feedback geben
Richtig Feedback geben ist eine wertvolle Ressource für berufliches Wachstum, jedoch bleibt die Wirksamkeit oft hinter den Erwartungen zurück. Die gängige Sandwich-Methode, die Kritik zwischen Lob versteckt, erweist sich als ineffektiv. Stattdessen bietet die WWW.de-Methode, wie auch die von Psychologin LeeAnn Renninger entwickelte Feedback-Methode einen guten Weg zur konstruktiven Kommunikation. Zusätzlich zu klaren Regeln für Feedbackgeber kann EasyAnswer dabei helfen, das Feedback-Geben zu üben und die Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern. Durch kontinuierliches Training können Feedbackgeber ihre Kompetenz im Feedback-Geben stärken und so zu einer produktiveren Arbeitsumgebung beitragen.
FAQ:
Was ist das Ziel von Feedback?
Feedback ist eine Hilfestellung, damit bestimmte Dinge verändert werden. Dabei handelt es sich um eine Rückmeldung zu persönlichen Verhalten oder bestimmten Leistungen und soll eine Veränderung herbeiführen. Feedback dient zur Weiterentwicklung, kann aber auch zur Motivation genutzt werden.
Wie funktioniert die WWW.de-Methode?
Die WWW.de-Methode steht für Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch, Danke, Ende. Dabei wird erst genannt, was wahrgenommen wurde. Dann wird auf die persönliche Wirkung eingegangen und ein Wunsch geäußert. Am Ende bedankt man sich, um dem Gegenüber ein gutes Gefühl zu geben. Die Methode wird immer in Ich-Botschaften vermittelt.
Wie nehme ich Feedback an?
Machen Sie sich klar, dass Feedback kein Angriff ist und Ihr Gegenüber es gut meint. Am besten hören Sie aktiv zu, bedanken sich und reflektieren später über das Gesagte. Versuchen Sie sich nicht zu rechtfertigen oder dem anderen ins Wort zu fallen. Falls Sie etwas nicht genau verstehen, können Sie Fragen stellen, damit die Rückmeldung und die verbundenen Wünsche klarer werden.

