Was ist Gewaltfreie Kommunikation? Einfache Erklärung + Praxisübungen für Führung & Team

Der Ton macht die Musik! Dieses Sprichwort kennen die meisten von uns. Und gerade im Job spielt er eine entscheidende Rolle. Denn hier können Konflikte schneller entstehen, als einem lieb ist. Doch es gibt eine Lösung und die heißt: Gewaltfreie Kommunikation. Was es damit auf sich hat und wie jede und jeder ihre Methoden erproben und anwenden kann, erfahren Sie hier.​

Gewaltfreie Kommunikation, auch mit GFK abgekürzt, beschreibt ein Kommunikationskonzept, das unter anderem untersucht, wie unsere Sprache zu Gewalt beiträgt und wie wir aber auf der anderen Seite mit ihrer Hilfe zu friedlichen Konfliktlösungen beitragen können.

Gerade im Arbeitsalltag spielt das eine wichtige Rolle! Denn Konflikte in Unternehmen können schneller auftreten als man denkt und entstehen oft aufgrund von Unterstellungen, fehlender Wertschätzung und unfreundlichem Tonfall. GFK wirkt dem entgegen und bietet – insbesondere Führungskräften – eine Lösung an.

Denn wer Teams leitet, muss regelmäßig schwierige Gespräche führen: Feedback geben, Grenzen setzen, Prioritäten klären, Konflikte moderieren. Und Mitarbeitende in verschiedenen Teams wiederum brauchen eine Sprache, mit der sie Probleme ansprechen können, ohne dass direkt Fronten entstehen. Um zu verstehen, wie das Ganze funktioniert, müssen wir einen genaueren Blick in die Materie wagen.

Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg

Marshall B. Rosenberg, der Entwickler der Gewaltfreien Kommunikation, beschreibt GFK als eine Art, miteinander in Kontakt zu kommen, die auf gegenseitigem Respekt basiert und so Konflikte entschärft, beziehungsweise sie erst gar nicht entstehen lässt. Das Ziel ist nicht, Diskussionen zu gewinnen, sondern Lösungen zu finden. Nicht Eskalation, sondern Verbindung. Nicht Angriff, sondern Klarheit.

Im Kern geht es um die Frage: Was ist wirklich passiert, was löst es in mir aus, was brauche ich?

In vier Schritten erklärt: So funktioniert Gewaltfreie Kommunikation

Gewaltfreie Kommunikation lässt sich in vier klare, aber simple Schritte untergliedern:

Der erste Schritt ist die Beobachtung. Statt zu bewerten oder zu interpretieren, wird beschrieben, was konkret passiert ist. „Du kommst immer zu spät“ ist eine Bewertung. „Du warst diese Woche dreimal zehn Minuten nach Beginn im Meeting“ ist eine Beobachtung.

Im zweiten Schritt geht es um das Gefühl. Wichtig ist, keine „Pseudo-Gefühle“ zu benennen, die eigentlich Vorwürfe sind, etwa „Ich fühle mich ignoriert“ oder „Ich fühle mich unfair behandelt“. Rosenberg unterscheidet hier sehr klar: Gefühle zeigen, was bei mir passiert. Vorwürfe verstecken sich oft als Gefühlsbeschreibung. Wer echte Gefühle benennt, macht sich sichtbar, ohne den anderen zu beschuldigen und das sorgt für deutlich mehr Gesprächsoffenheit.

Der dritte Schritt ist das Bedürfnis. Hinter Gefühlen stehen Bedürfnisse – also das, was uns wirklich wichtig ist. Im Arbeitskontext sind das oft Dinge wie Verlässlichkeit, Unterstützung, Struktur oder Autonomie. Dann geht es nicht mehr um „Du bist…“, sondern um „Mir ist wichtig…“.

Und dann kommt der vierte Schritt: die Bitte. Dieser Schritt wird oft unterschätzt, dabei ist er entscheidend, weil er aus einem Problem eine Richtung macht. Eine Bitte bedeutet, dass konkret formuliert wird, was man sich für die Zukunft wünscht. Wichtig ist, dass sie realistisch und umsetzbar ist. Also lieber „Kannst du künftig vor dem Meeting kurz Bescheid geben, wenn du später kommst?“ statt „Komm bitte nicht mehr zu spät.“

Genau diese Struktur reduziert Missverständnisse und sie hilft, Konflikte nicht über Menschen auszutragen, sondern über Bedürfnisse und Lösungen zu sprechen.

Gewaltfreie Kommunikation als Training: Praxisübungen für Führung und Team

Damit Gewaltfreie Kommunikation nicht nur Theorie bleibt, helfen bereits kurze Übungen im Teamalltag. Wichtig ist: Es geht nicht darum, perfekte Reden zu halten. Es geht darum, die typischen Eskalationsmuster zu erkennen und neue Sprachwege zu üben. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten!

Übung 1: Bewertungen in Beobachtungen übersetzen

Diese Übung lässt sich leicht in der Praxis umsetzen und kann sowohl untereinander in Teams als auch zwischen Führung und Mitarbeitenden ausprobiert werden. Es geht konkret darum, Bewertungen in Beobachtungen umzuwandeln. Sprich, gewaltfrei zu kommunizieren.

Dafür können verschiedene Konfliktsätze aus dem Alltag gesammelt werden, wie zum Beispiel:

  • „Ihr seid einfach unzuverlässig.“
  • „Die IT ist völlig überfordert. Da bekommt man nie eine Antwort.“
  • „Die Geschäftsführung entscheidet ständig planlos.“

Die Aufgabe besteht nun darin, diese Aussagen umzuformulieren in neutrale Beobachtungen. Fällt Ihnen auf Anhieb etwas ein?

Zum Beispiel könnten Sie antworten mit:

  • „In den letzten vier Wochen wurden drei Aufgaben später geliefert als vereinbart.“
  • „Die durchschnittliche Reaktionszeit auf unsere Anfragen lag in den letzten drei Fällen bei über vier Tagen.“
  • „In den letzten zwei Monaten wurden die Prioritäten für Projekt X dreimal geändert, ohne dass die Gründe im Teammeeting erklärt wurden.“

Allein dank Übungen wie dieser werden künftig Meetings, Feedbackrunden etc. spürbar konstruktiver. Doch noch spannender und lehrreicher wird es, wenn Tools wie EasyAnswer dazukommen. Und dieses habe ich am eigenen Leib getestet!

Übung 2: Gewaltfreie Kommunikation modern trainieren mit EasyAnswer

Ich bin seit einigen Jahren Online-Redakteurin und habe mich schon in die verschiedensten Themen eingelesen und eingearbeitet. Doch selten hatte ich dabei was anderes vor meiner Nase als den Bildschirm, meine unzähligen offenen Tabs und das leere Word-Dokument. Hier sah es anders aus! Als völlige VR-Newbie durfte ich das neue Tool von EasyAnswer persönlich ausprobieren, das – neben Fokusthemen wie dem Feedback geben mit der WWW-Methode – auch Übungen für Gewaltfreie Kommunikation anbietet.

Doch bevor ich von meinen Erlebnissen in der virtuellen Welt berichte, möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es wichtig ist, dass Sie die vier Schritte der GFK kennen und verstehen, worauf es ankommt, bevor Sie mit den Übungen starten.

Das ist auch schon alles, was Sie beachten müssen. Ab jetzt geht es Schritt für Schritt durch verschiedene Szenarien, in denen Sie Ihr Können der Gewaltfreien Kommunikation beweisen müssen.

Eine Übung, die bei mir direkt hängen geblieben ist, wurde mir in einer ruhigen Büroraum-Atmosphäre wie folgt formuliert:

Du hast einer Kollegin mehrfach höflich erklärt, wie wichtig dir konzentriertes Arbeiten ohne Unterbrechungen ist. Trotzdem platzt sie spontan ins Büro und sagt: „Nur kurz! Kannst du mir schnell helfen?“ Wie könntest du auf Basis der gewaltfreien Kommunikation reagieren?

Ich gebe zu, in der Realität hätte ich wahrscheinlich automatisch so etwas gesagt wie „Gerade schlecht“ oder „Ich habe keine Zeit“, einfach aus Reflex. In der VR-Brille musste ich jedoch bewusst nach den vier Schritten der Gewaltfreien Kommunikation reagieren. Das ist erstmal ungewohnt, aber genau darin liegt der Trainingseffekt. Wie hätten Sie reagiert?

Nach der Übung bekam ich direkt Feedback. In meiner Auswertung stand zum Beispiel, dass die vier Schritte grundsätzlich erkennbar waren, aber gerade Gefühle und Bitten noch klarer und empathischer formuliert werden könnten. Das fand ich richtig hilfreich, denn genau das ist ja im Alltag oft die Herausforderung: Man meint es nicht böse, aber es klingt schnell abweisend.

Auch andere Situationen fand ich sehr realistisch und die bürogleiche Umgebung, in der ich stand, hat mir zusätzlich geholfen, mich in die Szene hineinzuversetzen. Zum Beispiel ein genervter Kunde am Telefon, der Druck macht und sich über Verzögerungen beschwert. Oder eine Projektbesprechung, in der ein Kollege wiederholt negativ argumentiert, ohne konstruktiv zu werden und dadurch Spannungen im Team entstehen.

Mein Fazit nach den Praxisübungen

Das Großartige ist, dass auch bei EasyAnswer die in der Brille integrierte KI Ihre Kommunikationsskills misst und auswertet. Sie erhalten am Ende der Übungen nämlich zusätzlich noch Auswertungen zur Redegeschwindigkeit. Wie viele Wörter haben Sie pro Minute gesprochen? Kommen Sie unter den Durchschnitt – wie ich beispielsweise – oder liegen Sie drüber? Wie sieht es mit Ihren Füllwörtern und Wortwiederholungen aus? Auch hier werden während Ihrer Übungen Aufnahmen gemacht, die verständlich für Sie ausgewertet werden.

Mein Fazit nach mehreren Durchläufen: Ich merkte schnell meinen persönlichen Fortschritt und mit jedem Mal wuchs die Motivation, mein Können in Sachen Gewaltfreier Kommunikation zu steigern – und auch die Neugierde, welches Ergebnis ich wohl dieses Mal erzielt habe. Und ganz nebenbei lernte ich so für die verschiedensten Situationen, die mir im Berufsalltag begegnen können, gekonnt nach den Schritten von Marshall Rosenberg gewaltfrei zu kommunizieren.

Häufig gestellte Fragen unserer Kundinnen und Kunden:

1. Funktioniert Gewaltfreie Kommunikation auch, wenn mein Gegenüber nicht mitmacht?​

Ja, oft sogar überraschend gut. Gewaltfreie Kommunikation ist in erster Linie eine Haltung und eine Art zu formulieren. Wenn Sie weniger bewerten und stattdessen konkreter und respektvoller sprechen, sinkt die Eskalationsgefahr automatisch. Selbst wenn die andere Person nicht „nach dem Modell“ antwortet, können Sie das Gespräch damit häufig trotzdem konstruktiver gestalten.

2. Was mache ich, wenn Konflikte im Team schon festgefahren sind?​

Dann hilft es, zuerst die Beziehungsebene zu entlasten. Oft eskaliert es, weil sich Menschen nicht gesehen oder respektiert fühlen. Gewaltfreie Kommunikation kann dabei unterstützen, wieder ins Gespräch zu kommen: Was ist konkret passiert? Was hat das bei jedem ausgelöst? Welche Bedürfnisse stehen dahinter? Schon diese Klärung schafft häufig mehr Verständnis – und damit eine Basis für Lösungen.

3. Welche Situationen lassen sich mit VR besonders gut für Gewaltfreie Kommunikation trainieren?​

Vor allem realistische Business-Szenarien wie Mitarbeitergespräche, kritisches Feedback, Projektkonflikte, Meeting-Diskussionen oder spontane Einwände in Präsentationen. Gerade wenn Emotionen im Spiel sind, hilft VR dabei, zu trainieren, ruhig zu bleiben und trotzdem klar zu kommunizieren.

Michelle Bittroff
Michelle arbeitet seit Oktober 2023 als Online-Redakteurin beim Verlag Dashöfer. Nach ihrem Germanistik-Studium in Leipzig hat es sie in die schöne Hansestadt Hamburg verschlagen, wo sie in ihrer Freizeit gerne spazieren geht und mit einem Kaffee in der Hand den Blick auf die Alster genießt.
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