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4. Mai 2022
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Caro Otto

Digitale Weiterbildung: Moderne Konzepte für nachhaltigen Wissenserwerb

Digitale Weiterbildung: Moderne Konzepte für nachhaltigen Wissenserwerb

Was digitale Weiterbildung betrifft, so hinken deutsche Unternehmen noch immer hinterher – das zeigen die Ergebnisse der Studie „Wert der Weiterbildung 2020/2021“. So sahen sich ganze 82% derjenigen Befragten, die sich weiterbilden wollten, mit einer Präsenzveranstaltung konfrontiert. Ernüchternd ist dies vor allem deswegen, weil 88 % der Mitarbeiter viel lieber digitale Angebote oder Blended Learning nutzen würden. Dies wird in der Hälfte der Fälle jedoch vom Unternehmen selbst blockiert.

Daber ist in einer digitalen, komplexen Welt ein flexibler Kompetenzerwerb so wichtig wie nie zuvor.

Warum ist der Einsatz digitaler Weiterbildungsangebote so wichtig?

Nicht zuletzt aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung ändert sich die Arbeitswelt aktuell drastisch. Das Arbeitsleben und die Businesswelt verlaufen nicht mehr so geradlinig und vorhersehbar, wie es noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war. Gerne wird in diesem Zusammenhang von der „VUCA-Welt“ gesprochen. Dieses Akronym steht für:

  • Volatilität
  • Unsicherheit
  • Komplexität
  • Ambiguität

In einer Welt, in der es häufig zu unvorhersehbaren, komplexen und plötzlichen Veränderungen kommt, ist ein neues Mindset gefragt – besonders, was die Weiterbildung angeht. Denn je schneller sich Anforderungen ändern und neue Anforderungen hinzukommen, desto schneller müssen auch die nötigen Kompetenzen erworben werden. Dazu zählen Kompetenzen im Umgang mit neuen Geräten, Software und Tools, aber auch wichtige Soft Skills wie Resilienz, rhetorisches Können oder interkulturelle Kompetenz. Es reicht längst nicht mehr, sporadisch Weiterbildungen zu besuchen und das einmal Gelernte jährlich aufzufrischen. Das Motto der Zeit lautet: lebenslanges Lernen.

Doch das funktioniert nur, wenn die Mitarbeiter auch wirklich die Möglichkeit bekommen, lebenslang zu lernen. Wenn sie also, sobald sie Skill Gaps bemerken und ein paar freie Minuten haben, diese auch zum Lernen nutzen können. Wissenserwerb muss deshalb heute vor allem flexibel sein. Möglich wird das durch digitale Weiterbildungsangebote, die sich zeit- und ortsunabhängig in den Arbeitsalltag integrieren lassen.

Formen der digitalen Weiterbildung: Bessere Ergebnisse durch interaktives Lernen

Egal ob interne Lernplattformen, Wikis oder Online-Seminare: Noch sind viele Unternehmen nicht sonderlich experimentierfreudig, was die Auswahl digitaler Weiterbildungsmöglichkeiten betrifft. Dabei können gerade moderne, innovative Konzepte den nachhaltigen Wissenserwerb deutlich fördern. Grund ist besonders die Art und Weise, wie Erwachsene lernen. So werden etwa durch reines Hören oder reines Sehen nur etwa 20 bis 30% der Informationen langfristig aufgenommen. Eine Mischung aus Hören, Sehen und Diskutieren hingegen steigert die Aufnahmefähigkeit schon auf 70%. Den größten Effekt erzielt jedoch Learning by doing. Heißt: Je mehr praktische Umsetzung in der Weiterbildung steckt, desto besser prägt sich das Gelernte ein. Als positiver Nebeneffekt gelingt so auch der Praxistransfer deutlich einfacher.

Es lohnt sich also, auf Lernkonzepte zurückzugreifen, bei denen die Teilnehmenden ins Handeln und in den Austausch kommen. Es gibt inzwischen zahlreiche innovative E-Learning-Methoden zur Weiterbildung, die wir Ihnen hier kurz vorstellen möchten.

Gamification – digitale Weiterbildung mit Spaßfaktor

Sicher ist: Auch Erwachsene dürfen Spaß haben. Und bei Gamification wird der Lernprozess spielerisch verpackt: Fortschrittsbalken, Highscores, Ranglisten, Erfahrungspunkte und virtuelle Belohnungen sorgen dafür, dass das Lernen zum interaktiven Erlebnis wird, bei dem der Lernende nicht nur mit müden Augen auf eine PowerPoint-Folie starrt.

Lernspiele können allein oder in Gruppen gespielt werden und bieten daher zahlreiche Einsatzmöglichkeiten.

Social Learning – Lernerfolg mithilfe von Austausch

Social Learning geht auf das menschliche Grundbedürfnis nach sozialer Interaktion ein. Ziel ist es, Lernfortschritt durch Austausch zwischen den Mitarbeitern zu bewirken. Das geschieht beispielsweise durch Lerngruppen oder Q&A-Runden mit Mentoren. Vorstellbar ist auch User Generated Content, bei dem Mitarbeiter ihr Gelerntes aktiv aufbereiten und mit Kollegen teilen. Social Learning kann sowohl als digitale Weiterbildung als auch in analog-digitaler Form stattfinden. Diese Methode lohnt sich vor allem zum Onboarding mehrerer neuer Mitarbeiter oder zum Erlernen des Umgangs mit neuen Prozessen, Verfahren oder Geräten.

Virtual und Augmented Reality – praxisnahe digitale Weiterbildung

Egal, ob es darum geht, Notfallszenarien durchzuspielen, Rhetorik vor einem simulierten Publikum zu trainieren oder den Umgang mit neuen Maschinen zu erlernen: Virtual Reality (VR) oder Augmented Reality (AR) bieten ein enormes Potenzial für die digitale Weiterbildung in verschiedensten Unternehmen und Branchen. Die Vorteile liegen vor allem darin, dass VR-Training die Inhalte in einem realistischen Rahmen sehr praxisnah vermittelt, man die Sicherheitsrisiken „echter“ Trainings dabei jedoch umgeht. Also Praxistraining ohne Risiko. Und in Kombination mit Künstlicher Intelligenz erhalten Lernende zudem direktes und individuelles Feedback zu ihrem Verhalten, was den Lerneffekt zusätzlich steigert.

HR und Führungskräfte spielen eine entscheidende Rolle

Jeder Neuerung stehen auch immer Skeptiker entgegen. Die eingangs zitierte Studie fand diesbezüglich heraus, dass es im Vergleich zu 2018 bereits 4% mehr Beschäftigte gibt, die Weiterbildung kaum oder gar nicht wichtig finden. Ablehnung von Weiterbildung tritt statistisch gesehen vor allem in der Altersgruppe ab 45 auf, und bei Männern.

Und der Wunsch nach mehr digitalen Weiterbildungsangeboten kann natürlich nicht von den Mitarbeitern allein umgesetzt werden. HR und Führungskräfte sollten sich deshalb unbedingt als Treiber und Ermöglicher der digitalen Weiterbildung sehen. Es ist ihre Aufgabe, die Wichtigkeit von Weiterbildung zu verdeutlichen und eine Lernkultur im Unternehmen zu schaffen. Gleichzeitig sollten sie dafür sorgen, dass das Weiterbildungsangebot attraktiv genug ist, um diese Lernkultur zu ermöglichen. Denn besteht das Angebot vor allem aus trockenen, zeitraubenden oder gar thematisch sinnlosen Präsenzveranstaltungen, bleiben die Teilnehmerlisten verständlicherweise leer.

Wichtig ist, die Mitarbeiter mit einzubeziehen

In diesem Zusammenhang ist es ein guter Weg, digitale Weiterbildungsangebote auch immer in Absprache mit den Beschäftigten erstellt werden: Was brauchen diese? Welches Lernkonzept passt zu ihnen? Eine so effektive Weiterbildungsmethode wie Gamification wird beispielsweise keinen Anklang in einem Unternehmen finden, in dem sich die Mitarbeiter für ein konservatives Arbeitsumfeld aussprechen.

Sehr wichtig ist auch, dass sich die Beschäftigten bei der Weiterbildungsmaßnahme nicht allein gelassen fühlen. Sie sollten in neue Technik eingeführt werden und immer einen Ansprechpartner zur Verfügung haben. Es ist auch wichtig, Mitarbeiter bereits bei der Auswahl der zu ihnen passenden Qualifizierungsmaßnahmen zu unterstützen: Wer braucht welche Skills? Welches Lernangebot kommt dafür infrage? Kann man vielleicht sogar gemeinsam ein Lernrahmen festlegen, damit die Weiterbildung einen festen Platz im Wochenplan bekommt?

Nur wer sich gezielt Gedanken um die Umsetzung macht, kann am Ende von den Vorteilen der digitalen Weiterbildung profitieren: Nachhaltiges, lebenslanges Lernen – für Mitarbeiter, die den steigenden Anforderungen der modernen Arbeitswelt gewachsen sind.

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